Mehr als die Hälfte des Weges von Wien nach Bregenz habe ich bereits geschafft! Ich habe mir in den letzten Tagen so viele Gedanken wegen meiner angeschlagenen Füße gemacht, dass ich ganz vergessen habe, Halbzeit zu feiern. Heute Abend werde ich das nachholen.

In der Früh verlasse ich die Erichhütte bei bewölktem Himmel. Ich wandere westlich Richtung Mittereggalm und muss dabei einen Bach überqueren. Die Wirtin der Erichhütte hat mich bereits vorgewarnt. Durch ein Unwetter wurde die Brücke weg geschwemmt. Ich finde nach einiger Zeit eine geeignete Stelle und komme problemlos über den Bach, ohne nass zu werden.

Am Weg zur Pilachalm befinden sich Infotafeln über Tier- und Pflanzenwelt der Region. Eine Tafel ist mir besonders aufgefallen. Da steht bei der Kreuzotter „Störe mich nicht bei der Jagd, darum bleib bitte am Weg!“ Da fällt mir nur eines dazu ein: „Störe mich nicht beim Wandern, darum bleib bitte in deinem Jagdgebiet!“ Die letzten Tage, hatte ich bereits zwei Mal eine Begegnung mit dieser Spezies. Die Kriechtiere lagen mitten am Weg und haben sich gesonnt. Zum Glück sind die Schlangen jedesmal in wenigen Sekunden im Dickicht verschwunden, aber noch einmal brauche ich so eine Begegnung nicht mehr.

Bei der Pilachalm mache ich kurz Rast und trinke einen Apfelsaft bevor ich zur Mußbachalm weiter wandere. In der Nähe der Alm treffe ich auf ein paar Pferde. Das kleine Fohlen ist sehr zutraulich und folgt mir ein Stück des Weges. Es schnuppert an meiner Hand und lässt sich sogar streicheln. Sehr putzig. Als sich plötzlich alle Pferde in meine Richtung bewegen, gehe ich lieber weiter und komme schließlich nach Hinterthal, wo ich zu Mittag esse.

Mit vollem Magen, wandere ich talauswärts, folge ein Stück dem Urslaubach und spaziere über liebliche Wiesenhänge bis zur Jufenalm. Bei der Alm fallen mir die vielen aus Holz geschnitzten Tiere auf. Erst mit der Zeit bekomme ich mit, was das soll. Die Tiere dienen als Zielscheibe für das Bogenschießen, das dort ausgeübt werden kann.

Gleich hinter der Alm entdecke ich eine Markierung des Weitwanderweges 01. Ich biege diesen Forstweg ein, merke aber bald, dass mein Navi einen weiter links liegenden Weg anzeigt. Da ich nicht zurück gehen will und der Abstand zwischen den Wegen nicht allzu weit ist, gehe ich querfeldein hinüber. Leider ist der Wald mit unzähligen hohen Heidelbeerstauden und einigen Sträuchern übersät. Ich komme am richtigen Weg an, habe mir aber ein paar Abschürfungen zugezogen. OK, das nächste Mal gehe ich zurück!

Es folgt ein Anstieg durch ein unspektakuläres Waldstück hinauf zur Natrunhöhe. Zumindest oben gibt es eine schöne Aussicht auf das Hochkönig-Massiv. Nun geht es wieder bergab und als ich den Wald verlasse, stehe ich plötzlich vor einer Seilbahnstation. Sonnenschirme und Sonnenliegen, die gut besucht sind, säumen das Plateau. Diese Gelegenheit packe ich am Schopf und sitze wenig später in der Gondel talwärts, was mir rd. 300 Höhenmeter Abstieg erspart. Direkt im Ortszentrum von Maria Alm komme ich an.

Schön langsam wird es Zeit, eine Unterkunft für die Nacht zu organisieren. Ich studiere daher den Ortsplan und entdecke den Panorama-Gasthof Kronreith, der etwas außerhalb des Ortes liegt. Für mich ideal gelegen, da ich heute eine weitere Stunde gehen kann, und Morgen dafür mein Weg um diese Zeit verkürzt wird. Der Kronreith-Hof hat eine große Panoramasonnenterrasse, perfekt für ein gutes Abendessen und für meine Halbzeitfeier. Ich gönne mir zwei Redbull-Wodka und stoße auf mich selber an ;-)

Die Tour im Überblick

Tourverlauf: Erichhütte (1.545 m) – Pichlalm (1.434 m) – Hinterthal (1016 m) – Natrunhöhe (1.253 m) – Jausenstation Natrun (1.061 m) – Mit der Seilbahn hinunter nach Maria Alm (803 m) – Panorama-Gasthof Kronreith (992 m)

  • Mittlere Tour
  • 22 Kilometer
  • 6 Std 40 Min Gehzeit
  • 9 Std gesamt inkl. Pausen
  • Aufstieg: 796 m
  • Abstieg: 1.295 m (davon 300 HM mit der Seilbahn)
  • Höchster Punkt:
    Erichhütte (1.545 m)
  • Niedrigster Punkt:
    Maria Alm (803 m)
  • Wetter: sonnig, 27 Grad
Maximale Höhe: 1495 m
Minimale Höhe: 806 m
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