Heute wird es spannend. Wir wissen nicht, ob wir den Toten Mann mit 2.284 Metern überschreiten können, oder eine Alternativroute suchen müssen. Von unten lässt sich nicht beurteilen, ob die Schneeverhältnisse das zulassen.

Zuversichtlich starten wir in Spital am Pyhrn und gehen am Gewässerlehrpfad zur Standseilbahn, die uns rasch zur Wurzeralm hoch bringt. Obwohl wir ausgiebig Frühstück gegessen haben, bekomme ich schon wieder Hunger. Auf dem gesamten Weg befindet sich keine Hütte. Sicher ist sicher, ich bestelle mir lieber noch Berner Würstel mit Pommes.

Jetzt kann es richtig los gehen. Vorbei am Linzer Haus wandern wir weiter zum Brunnsteiner See, wo sich zahlreiche Frösche tummeln. Der eine sitzt im Wasser, der andere an Land und der dritte auf einem vierten oben drauf. Bisher war die Tour recht entspannend, nun beginnt der steile Aufstieg Richtung Roter Wand, die ihren Namen eindeutig von ihrer rot schimmernden Abbruchwand hat. Die ersten Altschneefelder tauchen auf, sind aber problemlos zu queren.

Heikel wird es erst, als wir ein Stück auf einem Schneeband wandern müssen, bevor wir es nach oben queren können, um auf den Gratrücken zu gelangen. In solchen Situationen am Besten nicht nach unten sehen ;-) Nun geht es wieder einfacher weiter. Der Schnee bereitet uns hier keine wirklichen Probleme. Wir kommen gut voran, bis vor uns eine Steilwand von ungefähr 200 Metern auftaucht. Da in der Wand einiges an Schnee liegt, sind wir uns nicht sicher, ob wir hier weitergehen sollen. Wir versuchen die Wegmarkierungen in der Ferne ausfindig zu machen, damit wir den vor uns liegenden Aufstiegsweg besser beurteilen können. Wir überlegen hin und her und schätzen letztendlich die Situation als nicht zu gefährlich ein und gehen weiter. Notfalls können wir noch immer umkehren.

Tatsächlich müssen wir aufpassen, aber der Aufstieg lässt sich ohne grobe Schwierigkeiten meistern und wir genießen, oben angekommen, das tolle Panorama in alle Richtungen. Durch den Schnee sieht die umliegende Berglandschaft noch beeindruckender aus. Der restliche Aufstieg zum Toten Mann ist in wenigen Minuten geschafft. Hier würde sich bei gutem Wetter der Besuch des Warschenecks anbieten, wir sind uns aber beide einig, dass wir das heute nicht mehr brauchen und beginnen unmittelbar mit dem Abstieg zur Zellerhütte.

Dieser ist weitgehend unschwierig. Lediglich auf dieser Bergseite liegt noch mehr Schnee und wir verschwinden darin an einigen Stellen bis zur Hüfte. Zumindest ist es nicht so steil wie auf der anderen Bergseite, somit kommen wir rasch vorwärts und erreichen etwas erschöpft, aber gut gelaunt die Zellerhütte. Begrüßt werden wir durch die „Zeller-Frau“, die sich vor der Hütte in Pose wirft.

Plötzlich hören wir von der Rückseite der Hütte Stimmen. Neugierig gehen wir dort hin und werden mit einem aufregenden Bergpanorama Richtung Großer Priel belohnt. Auf den Bänken sitzt eine Gruppe von Männern, die, wie wir später erfahren, ihren jährlichen Vatertagsausflug absolvieren. Ein Scherz folgt dem anderen, die Runde ist bereits sehr gut aufgelegt. Wir sehen uns gemeinsam den Sonnenuntergang an und wechseln dann in die Hütte.

Was soll ich sagen: es wurde ein sehr langer Abend. Die Zellerhütte ist bekannt, dass das mit der Hüttenruhe um 22:00 Uhr nicht gilt, falls sich eine lustige Runde zusammen findet. Laufend erklingt das Lied „So ein schöner Tag wie heute“ … welches abrupt mit dem Spruch „Prost“ unterbrochen wird. Die Gläser leeren sich laufend und natürlich wird auch selbst gemachter Zirben- und Nussschnaps ausgeschenkt. Zum Glück machen wir nicht bei jeder Runde mit und gehen um halb zwei Uhr in der Früh schlafen, ansonsten möchte ich nicht wissen, wie der nächste Tag verlaufen wäre. Die Stammgäste feiern gemeinsam mit der Wirtin, dem Wirt, der Wirtstochter und dem baldigen Schwiegersohn kräftig weiter: „So ein schöner Tag wie heute, PROST!“

Die Tour im Überblick

Tourverlauf: Spital am Pyhrn (641 m) – Mit der Standseilbahn zur Wurzeralm – Brunnsteiner See (1.422 m) – Toter Mann (2.284 m) – Zellerhütte (1.566 m)

  • Mittlere Tour
  • 14 Kilometer
  • 6 Std 30 Min Gehzeit
  • 7 Std 45 Min gesamt inkl. Pausen
  • Aufstieg: 1.750 m (davon 800 m mit der Standseilbahn)
  • Abstieg: 841 m
  • Höchster Punkt:
    Toter Mann (2.284 m)
  • Niedrigster Punkt:
    Spital am Pyhrn (641 m)
  • Wetter: sonnig, bewölkt, 12 Grad
  • Mitgewandert: Martin
Maximale Höhe: 2292 m
Minimale Höhe: 681 m
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1 Kommentar

  • beigl sagt:

    Und somit der vierte Weitwanderer, von dem ich weiß, dass er in der Zeller Hütte abgesoffen ist. Die Wirtsleute sind aber auch wirklich Profis…

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