Mit etwas mulmigen Gefühl verlasse ich das Prielschutzhaus. Die Wirtin hat mir erzählt, dass in dieser Saison noch keiner zur Pühringerhütte rüber gewandert ist. Es liegt zu viel Schnee am Weg. Zusätzlich sind die Markierungen durch den Schnee nicht ersichtlich, was die Orientierung erschwert.

Da ich mein neues Garmin Oregon 600 GPS-Gerät zur Positionsbestimmung mit habe und ich mich durch meine bisherigen Schneetouren gut gerüstet fühle, mache ich mich auf den Weg. Gleich hinter der Hütte zeigt mir ein Wegweiser den Aufstiegsweg. 5 Stunden sind bis zur Pühringerhütte angegeben.

Bereits wenige 100 Höhenmeter weiter, muss ich die ersten Schneerinnen queren. Und in der Klinserschlucht auf rund 1.800 Metern hat der Schnee alles zugedeckt. Zumindest hat er sich durch die Temperaturen der letzten Tage und dem Regen etwas gesetzt. Ich komme daher relativ gut vorwärts und erreiche den Temlbergsattel bei 2.050 Metern. Sogar die Sonne lässt sich kurz blicken.

Der folgende leichte Abstieg und erneute Aufstieg zum Rotkogelsattel verläuft hingegen sehr mühsam. Der Himmel zieht zu und es beginnt ein Eisregen. Ich ziehe meine Regenhose an. Der Schnee wird immer mehr. Ich stapfe Wechten hoch und wieder runter. Dabei komme ich laufend vom Weg ab. Ohne Navi wäre ich aufgeschmissen. Viele Gedanken kreisen in meinem Kopf: Was mache ich eigentlich hier? Hätte ich doch ein paar Wochen später die Tour beginnen sollen? Wo verläuft der Weg genau? Wie wird sich das Gelände hinter der nächsten Wechte präsentieren? Oh nein, jetzt kommt auch noch Nebel und ich sehe gar nichts mehr, hoffentlich verschwindet er so rasch wie er gekommen ist. Mir ist heiß, soll ich die Regenhose ausziehen? Schön langsam bekomme ich Hunger, ich bin schon Stunden unterwegs. Müde werde ich auch …

Stopp: diese Gedanken bringen mich nicht zum Ziel. Ich ziehe die Regenhose aus, esse eine Banane, genieße eine Fruchtschnitte, beschließe nicht müde zu sein und gehe weiter, immer weiter.

Gerade hoch motiviert, der Nebel hat sich verzogen, beginnt es zu regnen. OK, Regenhose wieder an. Durch das ständige Abkommen vom Weg, marschiere ich viele zusätzliche Höhenmeter rauf und runter. Doch irgendwann komme ich beim Rotkogelsattel an. Super, der restliche Weg verläuft fast nur bergab und zu regnen hat es auch aufgehört.

Hier ist der Schnee sehr fest, daher kann ich stellenweise einige hundert Meter auf den Schuhen den Hang runter rutschen. Das ist ja fast wie Schi fahren, sehr lustig :-) Das Navi hilft mir am Weg zu bleiben und so komme ich nach 7 Stunden bei der Pühringerhütte an.

Die zwei Wirte sind sehr nett und es gibt sogar eine heiße Dusche auf der Hütte. Jetzt kann der Festschmaus beginnen: Radler, Kaspressknödelsuppe, Schweinsbratl mit Knödel und Kaffee mit Zwetschkenkuchen … LECKER!

Die Tour im Überblick

Tourverlauf: Prielschutzhaus (1.420 m) – Klinserschlucht (1.805 m) – Temlbergsattel (2.050 m) – Rotkogelsattel (2.000 m) – Pühringerhütte (1.638 m)

  • Mittlere Tour
  • 15 Kilometer
  • 7 Std Gehzeit
  • Aufstieg: 966 m
  • Abstieg: 874 m
  • Höchster Punkt:
    Temlbergsattel (2.050 m)
  • Niedrigster Punkt:
    Prielschutzhaus (1.420 m)
  • Wetter: bewölkt, Eisregen, Regen, sonnig, 5 bis 25 Grad
Maximale Höhe: 2063 m
Minimale Höhe: 1422 m
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4 Kommentare

  • Jörg sagt:

    Hallo Harald! Das ist die richtige Einstellung. So wirst Du den ganzen Weg schaffen. Weiter so! Hoffe Du bist satt geworden. So richtig viel sieht das nicht aus …

  • Thomas sagt:

    Hallo Harald,
    Glückwunsch, dass du rüber gekommen bist!
    Und klasse beschrieben.
    Weiterhin viel Spaß und mehr Wetterglück
    wüschet dir Thomas….inzwischen (leider..) wieder aus dem Rheinland

  • Harald sagt:

    Ha, ha. Du hast recht! Werde mich das nächste mal zusammen reißen :-)

  • Wolfgang sagt:

    Harald! Nicht Ski fahren! Du weißt, wie das endet!

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